Geschichten von Geflüchteten und Migrant*innen in Deutschland“ — das sind mehr als nur Erzählungen über einen Umzug. Es sind Stimmen von Menschen, die alles Vertraute zurückgelassen haben, um Sicherheit, Würde und ein neues Leben zu finden.
Interview 1: Srbukhi
1. Woher kommen Sie und wann sind Sie nach Deutschland gekommen?
Srbukhi, 32 Jahre alt, Armenien, Apothekerin. Ich komme ursprünglich aus Armenien und lebe jetzt seit einem Jahr in Deutschland.
2. Was war der Hauptgrund für Ihren Umzug?
Der Grund für meinen Umzug nach Deutschland war die Wiedervereinigung mit meiner Familie.
3. Wie war Ihre Reise nach Deutschland?
Welche Erlebnisse sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? Meine Reise nach Deutschland verlief reibungslos und ohne Schwierigkeiten, aber sie war ein wichtiger Moment in meiner Erinnerung. Der schwerste Teil war der Abschied von meinen Lieben - das hat tiefe Spuren hinterlassen. Obwohl der Weg ohne Abenteuer verlief, herrschte eine große Aufregung und Ungewissheit. Ich werde mich noch lange an diesen Tag erinnern.
4. Wie war dein erster Tag in Deutschland?
Mein erster Tag in Deutschland war aufregend und ein bisschen ängstlich - alles war neu und ungewohnt. Zum Glück war mein Mann für mich da, das hat mich sehr unterstützt.
5. Auf welche Schwierigkeiten sind Sie an Ihrem neuen Wohnort gestoßen?
Die erste und wichtigste Schwierigkeit war für mich natürlich die Sprachbarriere. Obwohl ich vor meiner Ankunft ein wenig Deutsch gelernt hatte und über ein A1-Niveau verfügte, hatte ich keine Erfahrung in der Kommunikation. Und wenn es darum ging, auch nur etwas Einfaches zu sagen, flogen mir die Worte nur so aus dem Kopf. Es war sehr schwer: Man fühlte sich taub und stumm, als wäre man völlig unfähig, etwas zu tun.
6. Was hat Ihnen bei der Anpassung geholfen?
Die Sprachkurse haben mir sehr geholfen, mich anzupassen. Besonders am Anfang, als ich noch keine offizielle Sprachschule besuchen konnte, hat mir der Unterricht im Hof 7 in Aachen ( Sprachkurs für alle Migrantinnen, kostenlos) sehr geholfen. Ich wurde dort ohne Anmeldung und ohne Schwierigkeiten eingeladen - wie eine kleine Familie - und mit großer Herzlichkeit aufgenommen. Wir plauderten an einem gemütlichen Teetisch, lernten uns kennen, redeten über das Leben, erzählten Geschichten und entdeckten viel Neues - nicht nur über Deutschland, sondern auch über andere Länder.
7. Fühlen Sie sich jetzt als Teil der deutschen Gesellschaft?
Warum ja oder nein? Nein, ich fühle mich hier immer noch wie ein Fremder. Ich denke, bis ich die Sprache auf einem guten Niveau gelernt habe und zu arbeiten beginne, kann ich mich nicht als Teil dieser Gesellschaft fühlen. Aber ich glaube, dass mit der Zeit alles klappen wird - Schritt für Schritt. Ich bin von Beruf Apothekerin und habe in meinem Heimatland fast 5 Jahre lang in diesem Bereich gearbeitet. Jetzt bin ich gerade dabei, mein Diplom in Deutschland anerkennen zu lassen - wir werden sehen, was passiert. Natürlich möchte ich auch hier in meinem Fachgebiet arbeiten. Es ist mein Beruf und meine Lieblingsbeschäftigung.
8. Was hat sich während deines Aufenthalts hier an dir als Person verändert?
Während meiner Zeit hier bin ich widerstandsfähiger und innerlich stärker geworden. Unter solchen Bedingungen ist man ganz auf sich allein gestellt und merkt, dass man alles nur mit eigener Kraft und Ausdauer erreichen muss. Das härtet einen ab.
9. Was möchten Sie anderen Migranten sagen, die gerade ihre Reise beginnen?
Ich würde gerne sagen: Lasst euch niemals entmutigen. Gehen Sie immer beharrlich voran und erreichen Sie Ihre Ziele. Nichts fällt einem leicht - alles, was schwer ist, wird besonders wertvoll. Ich vergleiche alles, was wir durchmachen, mit einem Spiel: Je schwieriger es ist, desto interessanter ist es. Einfache Spiele sind nicht spannend. Ein Misserfolg ist keine Wertung. Versuche es immer wieder, bis du gewinnst.
10. Wie ist Ihr Verhältnis zu anderen Migranten?
Was eint oder trennt Sie? Ich habe sehr gute Beziehungen zu anderen Migranten. Wir befinden uns alle in einer ähnlichen Situation und können uns daher besser verstehen, unterstützen und sympathisieren. Das schweißt uns zusammen.
Autor: Maryna Bets. If you would like to share your story with us, please send me an e-mail: betsmaryna@gmail.com